Wenn Sie 2026 neue Fenster einbauen lassen, haben Sie meist zwei realistische Wege zur finanziellen Entlastung: den BEG-Zuschuss (Einzelmaßnahme Gebäudehülle, i. d. R. über BAFA) oder den Steuerbonus nach §35c EStG. Beide Wege können attraktiv sein – aber sie passen nicht zu jeder Immobilie und nicht zu jeder Lebenssituation.
Diese Seite zeigt Ihnen verständlich und rechnerisch, welche Option in der Praxis häufiger „mehr bringt“ – inklusive klarer Entscheidungskriterien, Rechenbeispiele und typischer Fallstricke.
Wichtig vorab: Förderung und Steuerbonus dürfen nicht für dieselbe Maßnahme kombiniert werden
Für denselben Fenstertausch können Sie entweder die BEG-Förderung oder den Steuerbonus nutzen. Eine Doppelbegünstigung ist ausgeschlossen. Das gilt auch für zugehörige Kosten (z. B. Energieberatung), wenn diese derselben Maßnahme zugeordnet sind.
Option 1: BEG-Zuschuss 2026 (Fenster als Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle)
Fördersatz und Bonus
- 15 % Zuschuss als Grundförderung
- +5 % iSFP-Bonus bei Umsetzung im individuellen Sanierungsfahrplan
- Maximal 20 % Zuschuss möglich
Maximal förderfähige Kosten
- 30.000 € ohne iSFP bzw. 60.000 € mit iSFP für die erste Wohneinheit
- Weitere Wohneinheiten gestaffelt: je 15.000/30.000 € (2. bis 6.), je 8.000/15.000 € (ab der 7.)
Typische „Haken“ (die man kennen muss)
- Antragstellung muss in der richtigen Reihenfolge erfolgen (vor verbindlicher Beauftragung).
- Technische Mindestanforderungen müssen erfüllt werden (z. B. Uw-Wert).
- Für Maßnahmen an der Gebäudehülle ist häufig ein Energieeffizienz-Experte eingebunden (fachliche Bestätigung/Nachweise).
Option 2: Steuerbonus 2026 (§35c EStG) – 20 % über 3 Jahre
Der Steuerbonus reduziert nicht Ihre Kosten direkt, sondern Ihre Steuerschuld. Das lohnt sich vor allem, wenn Sie in den Folgejahren ausreichend Einkommensteuer zahlen.
Wie hoch ist der Steuerbonus?
- 20 % der Aufwendungen insgesamt
- Verteilung über 3 Jahre: 7 % / 7 % / 6 %
- Maximal 40.000 € Steuerermäßigung pro begünstigtem Objekt
Die wichtigsten Voraussetzungen (oft entscheidend)
- Das Gebäude muss bei Maßnahmenbeginn mindestens 10 Jahre alt sein (maßgeblich ist der Beginn der Herstellung).
- Das Objekt muss zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden (der Bonus ist nicht der Standardweg für reine Vermietungsobjekte).
- Die Maßnahme muss durch ein Fachunternehmen ausgeführt werden; Rechnung und Nachweis/ Bescheinigung nach amtlichem Muster sind erforderlich.
- Zahlung muss unbar erfolgen (Überweisung).
Vergleich auf einen Blick: BEG-Zuschuss vs. Steuerbonus
| Kriterium | BEG-Zuschuss (BAFA) | Steuerbonus (§35c) |
|---|---|---|
| Höhe | 15 % (bis 20 % mit iSFP) | 20 % (7 % / 7 % / 6 % über 3 Jahre) |
| Auszahlung | Direkter Zuschuss nach Nachweis/Prüfung | Reduziert Steuerschuld in bis zu 3 Jahren |
| Zielgruppe | Eigentümer (Selbstnutzer & Vermieter möglich – je nach Programm) | Primär Selbstnutzer (zu eigenen Wohnzwecken) |
| Voraussetzungen | Technische Anforderungen + richtige Antrag-Reihenfolge | 10 Jahre Gebäudealter + Eigennutzung + Bescheinigung |
| Planbarkeit | Sehr gut, wenn Prozess korrekt eingehalten wird | Hängt von ausreichender Steuerlast in den Folgejahren ab |
| Kombinierbarkeit | Nicht kombinierbar für dieselbe Maßnahme | |
Rechenbeispiele 2026: Was ist „mehr“?
Die folgenden Beispiele zeigen typische Situationen. Entscheidend ist: Der Steuerbonus wirkt nur, wenn Sie in den jeweiligen Jahren genug Steuerschuld haben, um die Ermäßigung auszuschöpfen.
Beispiel 1: 20.000 € Fenstertausch (ohne iSFP)
- BEG-Zuschuss (15 %): 3.000 €
- Steuerbonus (20 %): 4.000 € (7 % = 1.400 €, 7 % = 1.400 €, 6 % = 1.200 €)
Interpretation: Wenn Sie die Steuerermäßigung vollständig nutzen können und alle §35c-Voraussetzungen erfüllen, liegt der Steuerbonus rechnerisch vorn. Wenn nicht (z. B. geringe Steuerlast), kann der BEG-Zuschuss attraktiver sein.
Beispiel 2: 30.000 € Fenstertausch (mit iSFP)
- BEG-Zuschuss (20 %): 6.000 €
- Steuerbonus (20 %): 6.000 € (7 % = 2.100 €, 7 % = 2.100 €, 6 % = 1.800 €)
Interpretation: Auf dem Papier gleich hoch – die Entscheidung fällt dann über Prozess (Antrag/EEE) und über Ihre Steuerlast/ Eigennutzung.
Beispiel 3: Vermietete Wohnung – 18.000 € Fenstertausch
- BEG-Zuschuss: grundsätzlich möglich (bei Einhaltung der Förderregeln)
- Steuerbonus (§35c): in der Regel nicht passend, da Eigennutzung Voraussetzung ist
Interpretation: Bei Vermietung ist der BEG-Weg häufig der naheliegendere Vergleichspfad (neben steuerlicher Absetzbarkeit als Werbungskosten, die separat zu prüfen ist).
Entscheidungshilfe: Wann ist welche Option meist besser?
BEG-Zuschuss ist oft die bessere Wahl, wenn …
- Sie eine sofortige, planbare Entlastung bevorzugen (Zuschuss statt Steuerwirkung).
- Sie den Antrag- und Nachweisprozess sauber abbilden können (inkl. ggf. Energieeffizienz-Experte).
- Sie vermieten oder eine Konstellation haben, in der §35c nicht passt.
- Sie ohnehin mit einem iSFP arbeiten und die 20 % sicher erreichen wollen.
Der Steuerbonus ist oft die bessere Wahl, wenn …
- Sie das Gebäude selbst nutzen und es mindestens 10 Jahre alt ist.
- Sie in den nächsten Jahren ausreichend Einkommensteuer zahlen, um 7/7/6 % komplett zu nutzen.
- Sie einen möglichst schlanken Weg ohne klassischen Zuschussprozess bevorzugen.
Häufige Fehler, die Geld kosten
- Falsche Reihenfolge beim Zuschuss: Verbindlich beauftragt, bevor der Antrag korrekt „steht“.
- Steuerbonus ohne ausreichende Steuerlast: Ein Teil der Ermäßigung verpufft, weil nicht genug Steuerschuld vorhanden ist.
- Eigennutzung nicht durchgehend: Ändert sich die Nutzung in den Jahren der Steuerermäßigung, kann der Vorteil teilweise entfallen.
- Nachweise unvollständig: Beim Steuerbonus fehlt die Bescheinigung nach amtlichem Muster oder die Rechnung ist nicht sauber.
FAQ – kurz beantwortet
Kann ich BEG-Zuschuss und §35c für dieselben Fenster kombinieren?
Nein. Für dieselbe Maßnahme ist nur ein Weg möglich: Zuschuss oder Steuerbonus.
Ist der Steuerbonus immer besser, weil er 20 % beträgt?
Nicht automatisch. Der Bonus wirkt nur gegen Steuerschuld und verteilt sich über 3 Jahre. Wenn Sie die Ermäßigung nicht vollständig nutzen können oder die Voraussetzungen nicht erfüllen, kann der Zuschuss besser sein.
Gilt §35c auch für Vermieter?
Der Steuerbonus ist auf zu eigenen Wohnzwecken genutzte Gebäude ausgerichtet. Bei Vermietung ist er in der Regel nicht der passende Standardweg.
Fazit: Was lohnt sich 2026 mehr?
Rein rechnerisch ist §35c mit 20 % häufig sehr attraktiv – aber nur, wenn Eigennutzung, Gebäudealter und ausreichende Steuerlast passen. Der BEG-Zuschuss ist dafür oft planbarer und auch bei anderen Nutzungs-/Eigentümerkonstellationen der robustere Weg. Wer einen iSFP nutzt, kann beim Zuschuss ebenfalls 20 % erreichen.
Tipp: Wenn Sie maximale Sicherheit wollen, lassen Sie vorab prüfen, welcher Weg in Ihrer konkreten Situation den höheren Netto-Vorteil bringt.


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Ihr Jonas Pischner
Energieeffizienz-Experte, Buchautor & Dackelliebhaber
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